Loureiro. Was? Davon habe ich noch nie gehört!

Loureiro. Was? Davon habe ich noch nie gehört!

Man schaut auf das Etikett und liest: Rabigato. Arinto. Encruzado. Loureiro. Was? Davon noch nie gehört! Das ist ja das Schöne an den Portugiesen. Keine Chardonnay-Welle, kein Sauvignon-Trend – Portugal macht einfach sein eigenes Ding. Eigene Rebsorten, eigener Charakter, eigener Geschmack. Das macht den Weinkauf nicht unbedingt einfacher, aber umso abenteuerlicher.
Text: Evelijn van Heuven | Bild: Unsplash

Portugal ist ein Land der Entdecker. Vasco da Gama, Bartolomeu Dias, Fernão de Magalhães, Pedro Álvares Cabral – das sind die portugiesischen Abenteurer, die nach Indien, Afrika und Brasilien segelten und dabei die Weltkarte mitgestalteten. Sie überqueren den Ozean, lernen die Welt kennen und entdecken neue Kulturen und andere Bräuche.

Dennoch bleibt ihr Heimatland ganz sich selbst: nach außen hin neugierig, im Inneren eigenwillig. Das spiegelt sich auch in der „Wein-DNA“ wider. Während ein Großteil Europas seine Weinberge an die Marktnachfrage anpasst, halten die Portugiesen fest an ihren eigenen Rebsorten fest. Mittlerweile bauen sie mehr als 250 einheimische Rebsorten an, dichter beieinander als irgendwo sonst auf der Welt. Kein Nachahmer. Einfach sie selbst.

Über 250 Rebsorten

So viele einheimische Rebsorten – das ist überwältigend! Deshalb haben wir fünf davon ausgewählt, auf die man regelmäßig stößt. Jede einzelne hat ihren ganz eigenen Charakter.

Nehmen wir zum Beispiel den Alvarinho, den Star des Nordens. Er wächst im nördlichen Monção e Melgaço, ganz in der Nähe der spanischen Grenze, liegt geschützt vor den Atlantikwinden inmitten der Berge. Dort ist es wärmer und trockener als im restlichen Vinho Verde-Gebiet, und genau deshalb ist es der einzige Ort, an dem diese Rebsorte als einzige auf dem Etikett stehen darf.

Der Wein duftet nach Blumen, Pfirsich, Aprikose und Apfel und hat eine leicht salzige Note. Er ist aromatischer und komplexer als seine leichteren Verwandten aus anderen Regionen des Vinho Verde, die mit anderen Rebsorten verschnitten werden. Ein Premium-Alvarinho kann bis zu zehn Jahre oder länger reifen.

Dann gibt es noch Encruzado, was „Kreuzung“ bedeutet. Diese Rebsorte befindet sich genau an der Schnittstelle zwischen frisch und vollmundig, zwischen blumig und nussig. In ihrer Heimat, der Dão-Region, auf Granit- und Sandböden in vierhundert Metern Höhe, erinnert sie in den richtigen Händen sogar an Weißwein

Dieser Artikel ist auch in der Ausgabe 101 von WINELIFE zu finden, hier einkaufen.

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