Wein von alten Rebstöcken hat einen magischen Beigeschmack. Man sagt, er sei besser, einnehmender und schmackhafter, aber merkt man das wirklich? Und wann ist eine Rebe überhaupt alt?
Text und Bild: Magda van der Rijst
Das Alter alter Rebstöcke wurde jahrelang vage diskutiert und umstritten. Was in einem Land alt war, galt in einem anderen Land noch als jung. Überall herrschte jedoch die Vorstellung vor, dass Wein von alten Reben eine bessere Qualität habe, und deshalb wurde er gerne auf einem Etikett erwähnt. An sich ist gegen Marketing nichts einzuwenden und - wenn die Erwähnung gerechtfertigt ist - auch eine nützliche Information für den Verbraucher, aber dazu müssen wir uns darauf einigen, wann etwas alt ist, was alt bedeutet und welche Werte man ihm beimessen kann. Nur dann haben alle einen Nutzen von einer solchen Angabe.
Die Winzer auf der ganzen Welt sahen das genauso, und so kam es vielerorts zu Vereinbarungen über ein Mindestalter der Stämme. Die OIV (Internationale Organisation für Rebe und Wein) hat eine Bestandsaufnahme der Meinungen gemacht und 2024 den Knoten durchgeschnitten: Mit 35 Jahren ist eine Rebe alt. Keine Arbeit mit nassen Fingern, sondern eine Untergrenze, die auf den Veränderungen der Pflanze beruht.
Oy, ich wachse
Die Rebe durchläuft in ihrem Leben mehrere Stadien. Nach 30 bis 40 Jahren sind die Wurzeln voll entwickelt und bilden eine tiefe, breite Basis, die es der Pflanze ermöglicht, auch in schweren Zeiten zu überleben. Die Rebe selbst, die von Natur aus ein Wildkraut ist, beruhigt sich ab einem Alter von 35 Jahren. Sie bildet weniger Blätter und meist auch weniger Trauben, aber das, was sie liefert, ist von gleichbleibender Qualität. Er ist stabil, hält sich fit und braucht weniger Unterstützung; dafür verlangt er eine angewandte, sanftere Führung.
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