Mark Bertrand liebt Italien. Er liebt das Land, die Kultur, die Menschenmassen, das Chaos, die Handgesten, das Essen und vor allem die Weine. Für ihn ist ein Wein mehr als nur ein Produkt in einer Flasche. Für Mark ist er eine Erfahrung, die darauf wartet, geöffnet zu werden. Er macht sich auf die Suche nach der Geschichte hinter dem Wein und nimmt Sie gerne mit auf diese Entdeckungsreise.
Bild: © Pexels
Trockener Januar. Ich verstehe, dass es gut ist, sich von Zeit zu Zeit einem gesunden Reset zu unterziehen, aber dies jetzt zu einem Phänomen zu erheben, ist meiner Meinung nach wieder typisch niederländisch. Der trockene Januar wurde übrigens von der britischen Organisation Alcohol Change erfunden, aber Sie wissen, was ich meine. Was ich interessant finde, ist der Ausdruck ‘trocken’ wie bei trockenem Weißwein. Woher kommt dieser Ausdruck?
Zuckergehalt
Ein Wein wird als ‘trocken’ bezeichnet, wenn während der Gärung fast der gesamte natürliche Zucker der Trauben in Alkohol umgewandelt wird. Es bleibt also kaum süßer Restzucker übrig, und dieser niedrige Zuckergehalt wird daher als ‘trocken’ bezeichnet. Und mit geringem Zuckergehalt meine ich wirklich gering: weniger als 1% Zucker. Bei Rotwein kann dieses trockene Gefühl auch von Tanninen herrühren, aber das nur am Rande. Übrigens entsteht diese Trockenheit‘ nicht einfach so, sondern es ist die Entscheidung des Winzers. Er oder sie kann den Gärungsprozess stoppen oder einfach weiterlaufen lassen. Wenn die Hefe den gesamten Zucker umgewandelt hat, haben wir es mit einem trockenen Jungen zu tun. Übrigens kann man sofort schmecken, ob es sich um einen trockenen Wein handelt. Bei einem Weißwein sagt man schnell, er sei ’säurebetont‘. Das stimmt, denn die Noten von Zitrone, Limette, grünem Apfel (Granny Smith) oder Grapefruit überwiegen dann gegenüber dem Zucker (der kaum vorhanden ist). Wenn Sie ein Kribbeln auf der Zunge spüren, können Sie ganz sicher sein. Dann haben Sie es wirklich mit einem trockenen Weißwein zu tun.
Erleben Sie
Bei einem trockenen Rotwein erleben Sie es wieder anders. Zuerst fühlt er sich steif an, vor allem an den Wangenseiten. Diese Steifheit kommt von den Tanninen, und Weinexperten sagen dann manchmal, dass der Wein ’tanninreich’ ist. Man kann das ein wenig mit dem Verzehr einer unreifen Banane vergleichen. Der Trick besteht darin, einen Schluck zu nehmen und dann einen Moment zu kauen‘: Schlürfen Sie etwas Luft ein und lassen Sie den Wein durch Ihren Mund laufen, um die Aromen zu aktivieren und die Textur zu spüren. Der Wein erwärmt sich dann auch ein wenig. Falls Sie Zweifel haben: Wenn der Wein auf der Zungenspitze sirupartig und ’dick‘ schmeckt, handelt es sich nicht um einen trockenen, sondern um einen süßen Wein. Auch lecker, aber ganz anders. In einem echten trockenen Rotwein sind die Tannine ohnehin in Kombination mit fruchtigen, kräuter- (oder würzigen) oder erdigen Noten wie Moos oder Stein vorhanden. Es ist nur eine Frage der Übung, des Probierens, des Schlürfens und des Erlebens, wo das Prickeln am deutlichsten spürbar ist.
Sie sehen also, Wein trinken ist mehr als etwas zu mögen oder nicht zu mögen. Es geht um das Verkosten, das Erleben und das Zusammenstellen einer Palette für sich selbst. Man vergleicht und versucht, die Aromen herauszufinden. Was genau schmecke ich? Und wo ist das Geschmackserlebnis? Vor allem aber geht es darum, zu üben, und zwar einen ganzen Monat lang im Januar.
Salutieren,
Mark

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