Das ist das Geheimnis des deutschen Weins

Das ist das Geheimnis des deutschen Weins

Deutsche Weinetiketten sind voll von Buchstaben und Begriffen, die eher verwirren als Klarheit schaffen. Doch dahinter verbirgt sich ein klares System: die VDP-Klassifizierung, die deutsche Antwort auf die Burgunder-Hierarchie. Vom Einstiegswein bis zum Spitzenwein: Wer den Code knackt, erlebt Deutschland mit anderen Augen.
Text: Château Petri | Bild: 

Deutscher Wein erlebt einen Aufschwung, doch für den durchschnittlichen Weintrinker ist es schwierig, den richtigen Wein aus unserem östlichen Nachbarland auszuwählen. Auf dem Etikett stehen nämlich oft Begriffe, die Aufschluss über den Weinstil geben sowie über die Reife der Trauben. Das sorgt für Verwirrung. Es sei denn, man wählt eine Flasche mit einem Adler auf der Kapsel – dem Symbol der VDP.

Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man Qualität ins Glas füllt. Die rund zweihundert Mitglieder dieses Verbandes arbeiten bereits seit 1926 nach dem Terroir-Prinzip. Sie sind daher eine wichtige Inspirationsquelle für das neue deutsche Weingesetz. Dieses soll endgültig mit dem hartnäckigen Image süßer Schlamppweine aus den 1970er Jahren aufräumen. 

Eine bewegte Geschichte des Weins

Die deutsche Weingeschichte kennt Höhen und Tiefen. Sie schlängelt sich von römischen Klosterweinen hin zu aristokratischen Spitzenweinen, woraufhin das Niveau auf billige und süße Weine sank, um nun wieder zu den schönsten modernen Terroir-Qualitätsweinen aufzusteigen. 

Bereits im 18. Jahrhundert war die hohe Qualität des deutschen Rieslings berühmt. Dies war auch die Zeit, in der die Namen vieler berühmter Weinberge offiziell festgelegt wurden. Sie erlangten internationales Ansehen: Spitzenweine aus der Mosel und dem Rheingau kosteten mehr als Weine aus Bordeaux und waren begehrte Sammlerstücke britischer Aristokraten. Doch Inflation und politisches Chaos, Kriege sowie eine lang anhaltende Wirtschaftskrise zwischen 1900 und 1945 fügten der Branche schweren Schaden zu. Um das Blatt zu wenden, entschied man sich mit Inkrafttreten des Weingesetzes von 1971 für die Massenproduktion. Es wurden einfache Süßweine wie der Liebfraumilch hergestellt, wobei der Fokus auf dem Zuckergehalt des Mosts lag: Je süßer, desto mehr verdiente man pro Kilogramm Trauben. Dies schadete dem Qualitätsimage des deutschen Weins. Erst ab 1980 richtete eine neue Generation von Winzern den Blick wieder auf die Qualität. Lesen Sie dazu auch den Artikel auf Seite 44.

Der Fokus verlagert sich nun auf Präzisionsweinbau und Einzellagen, also Einzelweingüter. Das VDP-System mit Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Großes Gewächs (GG) bildet die Grundlage (siehe Kasten). Darüber hinaus spielt der Klimawandel eine große Rolle. Es werden Weine aus Rebsorten aus südeuropäischen Weinbaugebieten gekeltert. Vor allem der deutsche Spätburgunder, der mit dem französischen Pinot Noir identisch ist, kann mittlerweile mit den besseren Burgunderweinen mithalten. 

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