Keine neue IGP Bordeaux. Aber Bordeaux Chardonnay und Bordeaux Syrah?

Keine neue IGP Bordeaux. Aber Bordeaux Chardonnay und Bordeaux Syrah?

Der Plan für eine IGP Bordeaux ist definitiv vom Tisch. Zu wenig Unterstützung, zu viele rechtliche Hürden. Aber Bordeaux ist nicht untätig.
Text: Ingrid Larmoyeur (The Wine Institute) | Bild: Wilfred Wong via Unsplash

Anstelle einer neuen IGP geht es nun um mehr Flexibilität innerhalb der AOP Bordeaux selbst. Die Rede ist von den Appellationen Bordeaux, Bordeaux Supérieur und Crémant de Bordeaux. Es wird nun darüber nachgedacht, wie man die Region für Verbraucher und Handel attraktiver machen kann, ohne den bestehenden AOP-Rahmen aufzugeben.

Eine der bemerkenswertesten Ideen stammt von der VIFA-Regelung, dem System, das ‘Variétés d'Intérêt à Fin d'Adaptation’ (neue Rebsorten als kontrollierter Versuch im Rahmen der AOP) ermöglicht.
Dies würde es ermöglichen, dass Rebsorten, die traditionell nicht mit Bordeaux in Verbindung gebracht werden, wie Chardonnay oder Syrah, einen Platz innerhalb der Appellation erhalten. Derzeit sind bis zu zehn Prozent der Anpflanzungen und Zusammenstellungen betroffen, aber es wird offen darüber gesprochen, diesen Anteil auf fünfundzwanzig Prozent zu erhöhen.

Das ist kein Detail, denn erst dann wird es kommerziell interessant, eine solche Rebsorte tatsächlich auf dem Etikett zu nennen. Bordeaux Chardonnay oder Bordeaux Syrah: Begriffe, die bis vor kurzem noch undenkbar waren, sich nun aber vorsichtig in Richtung Reißbrett bewegen.

Andere Vorschläge

Neben dieser Flexibilität in Bezug auf die Rebsorten sind auch andere Vorschläge positiv zu bewerten. Dazu gehört ein Etikett, das den Verbrauchern zeigt, welche Weine nicht nur nachhaltig produziert wurden, sondern wo der Winzer auch einen ‘fairen’ Preis erhält, der ein existenzsicherndes Einkommen ermöglicht.

Auch eine klarere Unterteilung des breiten Bordeaux-Angebots in erkennbare Qualitätsstufen oder Stilkategorien nach spanischem Vorbild (Crianza, Reserva und dergleichen) wird erwogen, um dem Verbraucher die Auswahl zu erleichtern. Auch Marketingmaßnahmen abseits der ausgetretenen Pfade, wie niedrigschwellige Restaurantinitiativen und Happy Hours, werden nicht mehr gescheut.

Der rote Faden ist klar: keine neue IGP, aber ein klares Bestreben, die Attraktivität des AOP Bordeaux zu stärken. Die große Frage ist, ob dieser VIFA-Ansatz und die neue Positionierung Bordeaux wieder für ein breiteres Publikum attraktiv machen oder ob die Gefahr besteht, dass sich die Region dadurch weiter von ihrer klassischen Identität entfernt. Bordeaux ist auf der Suche nach Bewegung. Ob auch der Markt mitzieht, wird sich zeigen.

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