Wenn man an Chianti denkt, denkt man wahrscheinlich an rubinroten Sangiovese-Wein. Doch neue DNA-Untersuchungen zeigen, dass Italiens berühmteste Weinregion vor zweitausend Jahren ganz anders aussah.
Text: Ingrid Larmoyeur (The Wine Institute) | Bild: Pexels
Wie Historianet kürzlich berichtete, analysierten Forscher die DNA von 80 Traubenkernen, die in alten Brunnen bei Cetamura del Chianti in der Toskana gefunden wurden. Die Kerne stammen aus der Zeit der Etrusker und Römer, also aus dem Zeitraum zwischen etwa 300 v. Chr. und 300 n. Chr.
Die größte Überraschung? Es stellte sich heraus, dass der Großteil von ein und derselben weißen Rebsorte stammte, die jahrhundertelang angebaut wurde. Mit anderen Worten: In der Region, die heute für ihren roten Chianti weltberühmt ist, dominierten damals wahrscheinlich weiße Trauben. Erst später tauchten in der Region neue Rebsorten auf.
Südfrankreich
Die Untersuchung ergab noch etwas Besonderes. Die DNA-Analyse zeigt, dass einige Rebsorten genetisch mit alten Rebsorten aus Südfrankreich verwandt sind. Das deutet darauf hin, dass die Römer bereits über ein ausgedehntes Netzwerk verfügten, über das Rebstöcke und Wissen über den Weinbau im gesamten Reich verbreitet wurden. Im Grunde genommen eine frühe Form des internationalen Weinbaus.
Warum ist das wichtig? Weil es zeigt, dass sich berühmte Weinbaugebiete ständig verändern. Rebsorten, Weinstile und sogar die Identität eines Weinbaugebiets sind weitaus weniger unveränderlich, als wir oft annehmen. Die Geschichte des Weins scheint buchstäblich noch immer im Boden verborgen zu liegen.
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