DNA-Untersuchungen decken eine unerwartete Verbindung zwischen äthiopischen Rebsorten und dem Mittelmeer auf

DNA-Untersuchungen decken eine unerwartete Verbindung zwischen äthiopischen Rebsorten und dem Mittelmeer auf

Selbst ein Rebgenetiker kann noch überrascht werden. Der renommierte Schweizer Ampelograph und Rebgenetiker José Vouillamoz, Mitautor des Standardwerks Weintrauben, teilte kürzlich in den sozialen Medien eine Studie, die für ihn ein echter Aha-Moment war: Traditionelle Rebstöcke in Äthiopien weisen offenbar besondere genetische Verbindungen zu Rebsorten aus dem Mittelmeerraum auf.
Text: Ingrid Larmoyeur (Weininstitut) | Bild: Unsplash

Wenn man an Äthiopien denkt, denkt man wahrscheinlich eher an Kaffee als an Wein. Dennoch fanden Forscher im Hochland von Tigray Dutzende traditioneller Weinreben – nicht in Weinbergen, sondern in der Nähe von Häusern, in Dörfern und bei Kirchen. Dass in Äthiopien schon seit langer Zeit Trauben wachsen, war bereits bekannt. Archäologische Funde belegen sogar, dass im alten Königreich Aksum bereits vor etwa 2000 Jahren Trauben angebaut wurden.

DNA-Untersuchung

Aber jetzt wird es erst richtig interessant. DNA-Untersuchungen einer lokalen Rebsorte aus Rubaksa zeigen, dass diese zwar keine vollständige Übereinstimmung mit bekannten Rebsorten in den verwendeten internationalen Datenbanken aufweist, aber dennoch eine genetische Verwandtschaft mit Rebsorten aus dem Mittelmeerraum aufweist. Auch Untersuchungen zur Form der Traubenkerne deuten unter anderem auf Zypern, Kreta und Italien hin.

Die Forscher vermuten daher, dass diese lokalen Rebstöcke von Trauben abstammen könnten, die möglicherweise bereits zur Zeit des Aksumitischen Reiches über alte Handelswege aus dem östlichen Mittelmeerraum nach Äthiopien gelangten. Generationen von Einwohnern haben sie anschließend bewahrt und vermehrt.

Es handelt sich also nicht um eine 2000 Jahre alte Rebe, aber möglicherweise um ein lebendiges genetisches Erbe einer fast 2000-jährigen Weinbaugeschichte.

Und genau das macht diese Entdeckung so besonders. Nicht, dass in Äthiopien Weinreben wachsen, sondern die neuen Hinweise darauf, dass einige dieser einheimischen Rebsorten eine genetische Verbindung zur mediterranen Weinwelt vor vielen Jahrhunderten darstellen könnten.

Kein Wunder, dass Vouillamoz schrieb: “Äthiopien ist gerade zu einem von ihnen geworden”– einer dieser Orte, die sogar ihn noch überraschen können.

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