Klimawandel in deutschen Weinbergen

Klimawandel in deutschen Weinbergen

Der deutsche Wein ist seit Jahren der Inbegriff von kühlem Klima und Präzision. Denken Sie an einen trockenen, spannungsgeladenen Riesling, oft aus Weinbergen an Flüssen, wo der Herbst langsam Einzug hält.
Bild: Unsplash

Nur ist dieses “langsam” heutzutage zunehmend relativ. Wärmere Sommer und längere indische Sommer bedeuten, dass die Trauben schneller reifen und die Winzer ihre Planung anpassen müssen. In der Praxis bedeutet das, dass man häufiger früher erntet, häufiger im Weinberg auswählt und vor allem eine Stilentwicklung vornimmt, die man als Trinker sofort schmecken kann.

Früher ernten, genaueres Timing

In vielen deutschen Regionen beginnt die Ernte nicht nur früher, sondern ist auch unregelmäßiger geworden. In manchen Jahren geht es plötzlich schnell und die Winzer müssen schnell handeln, um die Frische zu erhalten. Im Rheingau zum Beispiel gibt es langfristige Messreihen zur Phänologie, die eine frühere Blüte und eine frühere Erntezeit beinhalten.

Für den Weinstil ist dies eine große Veränderung. Eine frühere Ernte kann dazu beitragen, dass die Säuren lebendig bleiben, aber sie erfordert auch ein scharfes Auge für den Reifegrad. Zu spät geerntet bedeutet schneller einen höheren Alkoholgehalt und weichere Säuren. Eine zu frühe Ernte kann sogar zu Grüntönen führen. Das Timing bei der Weinlese wird also immer wichtiger.

Mehr Pinot und Chardonnay

Die Erwärmung macht Deutschland nicht plötzlich mediterran, aber sie verschiebt die Möglichkeiten. Der Spätburgunder profitiert in vielen Gebieten von der Überreife, die die Weine aromatischer macht, ohne dass sie ihren eleganten Kern verlieren. Und der Chardonnay, einst vor allem ein Experiment, zeigt in Regionen wie Baden und der Pfalz zunehmend ein ernsthaftes, gastronomisches Gesicht.

Wenn man das im Zusammenhang schmecken will, ermöglichen deutsche Weine sehr gezielte Vergleiche: ein kühleres Jahr neben einem wärmeren, ein Spätburgunder von der Ahr neben einem aus Baden oder ein straffer Riesling neben einem reiferen aus einer wärmeren Ecke.

Beschattung, Höhe und Bodenarbeit

Mehr Wärme klingt verlockend, birgt aber auch neue Risiken. Hitzespitzen können Sonnenbrand auf den Trauben verursachen, und starker Regen erschwert die Auslesearbeiten. Aus diesem Grund arbeiten die Erzeuger immer geschickter mit Laubwänden und Schatten, um die Trauben zu schützen. Auch die Wahl der Weinberge wird immer taktischer: etwas höher gelegene Parzellen, kühler ausgerichtete Hänge und eine Bodenbearbeitung, die das Wasser zurückhält.

In Deutschland ist dieser Anpassungsdrang besonders interessant, weil hier Tradition und Innovation oft Hand in Hand gehen. Man schmeckt es an Weinen, die immer noch klar und terroirgeprägt sind, aber eben etwas reifer, etwas runder oder im Gegenteil durch eine präzisere Lese überraschend dicht.

Was bedeutet das für Sie als Trinker?

Das Beste an dieser Entwicklung ist, dass Deutschland als Weinland breiter wird, ohne seine Identität zu verlieren. Der Riesling bleibt das Rückgrat, aber die Palette drumherum wird spannender: überzeugendere Spätburgunder, seriösere Chardonnays und in manchen Ecken sogar Experimente mit Sorten, die einst zu ambitioniert erschienen. Wer also Deutschland neu entdecken will, ist mit einer kleinen Vergleichsverkostung zu Hause gut bedient. Stellen Sie zwei Regionen nebeneinander oder probieren Sie dieselbe Rebsorte in verschiedenen Stilen und Jahrgängen. So merkt man wirklich, was Klima, Boden und die Wahl des Winzers bewirken. Wenn Sie sich weiter umsehen wollen, ist es besonders nützlich, eine Weinhandlung mit einer großen Auswahl an Deutsche Weine, so dass Sie leicht vergleichen und Ihre Favoriten finden können.

Sie wollen keine einzige Ausgabe verpassen? Abonnieren dann abonnieren Sie jetzt das WINELIFE Magazin!

Möchten Sie über die besten Artikel auf dem Laufenden bleiben? Folgen Sie der Zeitschrift WINELIFE auf InstagramFacebook und melden Sie sich für unsere vierzehntägige Newsletter.

de_DEDeutsch