Kolumne: "Presse"-Bericht aus Südafrika. Was wird das Weinjahr 2024 bringen?

Kolumne: "Presse"-Bericht aus Südafrika. Was wird das Weinjahr 2024 bringen?

Bregje van Weezel (47) lebt mit ihrer Familie in Kapstadt, Südafrika. Sie schreibt über ihre Erfahrungen in dem bunten, aber auch komplexen Land. In dieser Kolumne teilt sie ihre Begeisterung und ihr Wissen über die südafrikanische Weinindustrie. Ihre Geschichten sind weder zu trocken noch zu schwer und diese Kolumne ist ganz in ihrem (Wein-)Sinn. Wenn Sie mehr über alles, was sie in Südafrika mag, lesen möchten, können Sie Bregje auf Instragram @vin_ik_leuk folgen.

Presse' Nachricht aus Südafrika. Was wird das Weinjahr 2024 bringen?

Es ist Erntezeit in Südafrika. Was wird der Jahrgang 2024 bringen? Wenn ich das jetzt genau wüsste, würde ich das zu meinem Beruf machen. Aber ich kann natürlich einige vorsichtige Erwartungen auf der Grundlage einiger internationaler und südafrikanischer Trends stellen.

Keine oder wenige

Entgegen dem weltweiten Trend, dass immer weniger Alkohol konsumiert wird, wurde in Südafrika im vergangenen Jahr mehr Wein getrunken als je zuvor. Tun Sie nicht so überrascht. Sie sind ein trinkfreudiges Volk. Und auch die südafrikanische Generation Z ist scheinbar etwas weniger empfindlich. Denn international ist es gerade diese durch die Pandemie stark ausgenüchterte Generation Z, die diese alkoholfreie Entwicklung verursacht. Sie können sich ein Leben ohne Telefon oder Internet nicht vorstellen, aber ohne alkoholische Erfrischung scheinen sie überhaupt kein Problem zu haben. Infolgedessen haben Getränke ohne oder mit geringem Alkoholgehalt weltweit stark zugenommen und die Nachfrage nach Wein ist zurückgegangen. Infolgedessen wird auch die Zahl der Weinberge in Südafrika in diesem Jahr zurückgehen, ebenso wie die entsprechenden Mengen. Natürlich mit Folgen für die Exporte, die durch lokale Verkäufe kompensiert werden müssen. Infolgedessen werden die Südafrikaner wieder mehr trinken müssen. Man kann also davon ausgehen, dass sich am Alkoholkonsum wenig ändern wird. Das wird sie freuen und ich helfe gerne.

Verschiedene Böden

Qualität hat in Südafrika zunehmend Vorrang vor Quantität. Immer mehr Winzer entscheiden sich dafür, zu zeigen oder vielmehr zu schmecken, was ein "Terroir" für einen Wein bedeutet. Man macht also nicht mehr verschiedene Weinstile, sondern Wein aus der gleichen Traube von verschiedenen Böden. Und natürlich muss man, wenn man diesen besonderen Weinberg schmecken lassen will, ein wenig anständig damit umgehen. Es ist also nicht verwunderlich, dass diese Winzer die Werbetrommel für nachhaltige Praktiken rühren. Diese Arbeitsweise begünstigt zunehmend den Nationalstolz und das Kraftpaket Chenin Blanc. Das Ergebnis ist, dass diese Weine so gut sind und international so viel Anerkennung finden, dass sie für den Südafrikaner inzwischen unerschwinglich geworden sind. Zum Glück gibt es für die Daheimgebliebenen noch genügend Alternativen.

Auf der Karte

Die Vielfalt darf in der Liste der Trends natürlich nicht fehlen. Immer mehr Nicht-Weiße und Frauen arbeiten in der bisher eher einseitigen südafrikanischen Weinindustrie. Und dieser positive Trend wird sich in diesem Jahr nur noch verstärken. Viele Spitzenrestaurants in Kapstadt entscheiden sich bewusst dafür, Winzerinnen auf die Speisekarte zu setzen, im wörtlichen und übertragenen Sinne. Das ist gar nicht mal so mutig, wenn man sieht, dass sie die besten Weine Südafrikas liefern. Auch die Verwendung von Amphoren ist ein Trend. Dabei handelt es sich um eine Art Tonbehälter in Eiform. Ein jahrhundertealtes Prinzip. Sie verleihen dem Wein keinen Geschmack, sondern führen ihm Sauerstoff zu und machen ihn weicher. Ich denke, diese Methode wird in Südafrika immer häufiger angewandt. Ich bin ein Fan davon.

Geruch und Geschmack

Und dann haben wir natürlich die künstliche Intelligenz. Die einzige Entwicklung, die noch an der südafrikanischen Weinindustrie vorbeizugehen scheint. Schön, wenn ein Roboter Pestizide versprüht und in der Hitze mäht. Aber das Beschneiden und Pflücken überlassen wir noch eine Weile den vertrauten menschlichen Händen. Mehr Arbeitslose kann das Land nicht gebrauchen. Aber auch in diesem Bereich bin ich nicht besorgt. Vieles kann automatisiert werden, aber nur ein Mensch kann riechen und schmecken. Das ist wichtig, wenn man Wein macht und trinkt. Oder würde eine bestimmte Generation auch das ändern wollen? Ich würde das geschmacklos finden.

 

bregje van weezel

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